Logo SG Gmünd14. Staufer-Open

Großmeister sucht Fans

"Schach ist populärer als die Leute, die es spielen", sagt der bayerische Großmeister Philipp Schlosser, die Nummer 23 der bundesdeutschen Rangliste. Matthias Reichert hat sich mit ihm beim letzten Staufer-Open unterhalten.

GM Philipp SchlosserVom Schach leben wollen viele. Der Deutsche Schachverband führt mehr als 50 Großmeister und 160 Internationale Meister. Philipp Schlosser gehört zu denen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Von Turnier zu Turnier tingelt er jedoch nicht. Da ist die Konkurrenz an der Spitze extrem. Ein Unentschieden in der Schlussrunde eines früheren Staufer-Open kostete ihn tausend Mark, erinnert er sich. Drei Turniere hat Schlosser (siehe Bild) sich fürs erste Halbjahr 2001 vorgenommen. "Ich werde älter und älter, spiele weniger und weniger und trainiere mehr und mehr." Er verdient sein Geld als Schachtrainer. Für den badischen und den württembergischen Schachverband betreut er den D-Kader, außerdem unterrichtet er bei der Baden-Badener Fördereinrichtung "Karpov-Schachzentrum."

Seit 1999 spielt der 32-Jährige beim Oberliga-Verein Baden-Oos, vorher saß er acht Jahre für Bayern München und fünf Jahre für Passau in der Bundesliga am Brett. "Bayern war die Mannschaft, wo wir die meisten Titel eingefahren haben. Wir sind nur zweimal nicht Meister geworden. Passau war attraktiver. Es gab weniger gute Spieler, ich konnte zwei Jahre am ersten Brett spielen."

"Beckenbauer konnte nicht so gut mit dem Abteilungsleiter", erinnert sich Schlosser an den Fußball-Rennommierclub. Bei seinen beiden Ex-Vereinen hing die Bundesliga-Zugehörigkeit an Sponsoren, beide zogen schließlich die Erstliga-Mannschaft zurück. In seinem jetzigen Verein finanziert ein Unternehmer die Spieler durch Jobs in der Computerbranche.

Schlosser lebt trotz EDV-Ausbildung als Einziger in der Mannschaft nur vom Sport. "Bei Bayern habe ich Schach studiert, danach bin ich Schachtrainer geworden. Den Titel kann man ähnlich sehen wie eine Ausbildung." Internationaler Meister wurde er 1989 in der Sport-Förderkompagnie der Bundeswehr, weitere drei Jahre brauchte er bis zum Großmeister-Titel. Talent ist selbstverständlich, außerdem brauche man Motivation und Ehrgeiz. "Man muss lange Durstrecken durchstehen. Ein guter Spieler muss bereits sein, zu leiden."

Der Siegeszug des Internet hat die Schachwelt verändert. "Partien-Übertragungen im Internet und Vorbereitung mit dem Computer helfen, das Niveau zu steigern." Besser werden, auch wenn es gar nicht mehr besser geht, das ist die Philosophie des Großmeisters. Laut Vorurteil sind Schachspieler kühle Rechner. "Aber da spielen auch irrationale Sachen mit hinein. Man kann nicht alles durchrechnen, man muss sich irgendwann auf seine Intuition verlassen."

Die Jugendlichen, sagt Trainer Schlosser, kommen immer früher zum Schach. "International werden die Leistungsträger immer jünger, das Einstiegsalter in den Vereinen sinkt." Mit folgendem Vorteil: "In der Schule und beim Studium hat man noch Zeit, Schach zu spielen. Wenn sie früher anfangen, erreichen sie das Niveau früher und haben die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie Schach zum Beruf machen." Für die meisten der bundesweit 100 000 organisierten Schachspieler bleibt es freilich ein Hobby.

"Schach ist grundsätzlich eine Außenseitersportart." An den Vorurteilen vom eigenbrötlerischen Schachspieler ist einiges dran, glaubt der Großmeister. Bei vielen stehe der eigene sportliche Erfolg zu sehr im Mittelpunkt. Schlossers Rezept: "Wir brauchen den Schach-Fan." Mehr Kommunikation ums Brett, mehr Infos. "Die Leute in den kleinen Vereine kennen sich in der Fußball-Bundesliga besser aus als in ihrer eigenen Sportart."

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